Tinnitus Retraining

Ziel der folgenden Seiten ist Aufklärung und Information über Tinnitus und die Vorstellung eines neuen Therapieansatzes, der bisher in Deutschland erst vereinzelt praktiziert wird.

Was ist Tinnitus

Mit "Tinnitus" bezeichnet man Hörempfindungen unterschiedlichster Art, die von den betroffenen Personen wahrgenommen, jedoch nicht von einer Schallquelle außerhalb des Menschen erzeugt werden und deshalb auch keine Signal- oder Informationsfunktion haben.

Beim Tinnitus kann außer den Betroffenen selbst niemand die Geräusche hören, die aus immer noch nicht ganz geklärten Gründen auf Grund einer Funktionsstörung im Innenohr von unserem Gehirn nur "gedacht" werden, ohne auf Einbildung zu beruhen. Ist der Tinnitus für den Einen nur leicht irritierend, so ist er für den Anderen ein großer, lebensverändernder und in sich ständig erneuernder angstbesetzter Stress mit eingreifenden Auswirkungen auf Ausbildung, Beruf, Gesundheit und die sozialen Beziehungen.

Millionen von Menschen sind von diesen Ohrgeräuschen betroffen, allerdings in sehr unterschiedlicher Art und Weise.

Wer ist betroffen von Tinnitus

Nach neuesten Untersuchungen sind 17 % der Bevölkerung betroffen, d.h. in Deutschland leiden 13 Millionen Menschen unter Tinnitus.

In der Statistik geben 30 % der über 65jährigen Patienten an, unter Tinnitus zu leiden. Jedoch auch die Zahl der Altersgruppe zwischen 30 - 40 Jahren mit 17 % und der 40 - 50jährigen mit 22 % zeigt das entsprechende Ausmaß betroffener Personen und die Notwendigkeit zur Vermittlung entsprechender ganzheitlicher Therapiemaßnahmen auf.

Wie empfindet man Tinnitus

Der Betroffene hört in einem Ohr, in beiden Ohren oder im ganzen Kopf Geräusche mit sehr unterschiedlichen Formen und Lautstärken, wie zum Beispiel Rauschen, Klingeln, Pfeifen, Rasseln, Klopfen, Zischen. Die Geräusche können gelegentlich, oft aber auch ständig auftreten.

Nicht jeder kann diese Geräusche kompensieren. Bei manchen Betroffenen kommt es zu starken psychischen und physischen Beeinträchtigungen. Man spricht dann vom dekompensierten Tinnitus. Es baut sich ein scheinbar unlösbarer Komplex auf, der sich in Depressionen mit Lebensverdrossenheit, Antriebsschwäche, Schlafproblemen, Ängsten bis hin zu sozialer Isolation äußern kann.
Deshalb ist es um so wichtiger, frühzeitig Rehabilitationsmaßnahmen einzuleiten.

Das Symptom

Da der Tinnitus keine Krankheit ist sondern ein Krankheitszeichen, gibt es undenkbar viele Ursachen, die Ohrgeräusche auslösen können. Aus diesem Grund ist eine umfassende Diagnostik durch mehrere Fachärzte wie z.B. HNO-Arzt, Internist, Orthopäde, Zahnarzt, Augenarzt oder Neurologe notwendig. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl "schulmedizinischer" und alternativer Therapien, die zu Linderungserfolgen führen können und die von den Fachärzten und Therapeuten auf individuelle Wirksamkeit geprüft werden können und müssen.

...und seine Folgen

Tinnitus kann auf Grund der psychischen Dauerbelastung zu Depressionen und Angststörungen führen. Das kann weitere Komplikationen in Familie und Beruf mit sich ziehen. Auch der allgemeine Gesundheitszustand kann sich verschlechtern. Deshalb ist es das größte Anliegen eines jeden Betroffenen, diese Folgen des Tinnitus zu vermeiden oder zu bewältigen.

Tinnitusbewältigung durch Tinnitus Retraining

Tinnitus-Retraining (TRT) ist ein in Amerika und England erfolgreich begonnener kooperativer Ansatz der Langzeittherapie, der in Deutschland jedoch bisher in der derart geforderten Komplexität der Therapie nur in geringem Ausmaße praktiziert wird.

Der Aufbau eines Tinnitus-Retraining durch Kooperation von unterschiedlichsten Spezialisten erfordert die Integration des Hörgeräteakustikers in das Komplexmodell.

Tinnitus Retraining ist ein ganzheitlicher Therapieansatz und besteht aus den Komponenten
  • Ambulante Therapien
  • Apparative Versorgung
  • Sonstige Therapien und Alternativmedizin (Akupunktur, Homoöpathie, Neuraltherapie, u.a.)
  • Stationäre Therapien (überwiegend mit einem psychosomatischen Ansatz)

Aufgabe des Hörgeräteakustikers im Kooperationsnetz

Die Versorgung mit sogenannten "Noisern" begleiten das Tinnitus Retraining als wesentliche Komponente. Im Gegensatz zu den bisher bekannten "Maskern" sind die durch die "Noiser" ausgestrahlten Töne für den Betroffenen nicht lauter als seine wahrgenommenen Geräusche, sondern "umspülen" diese nur. Die parallele Überlagerung der subjektiv wahrgenommenen Geräusche hilft, das eigene Geräusch zurückzudrängen und neu hören zu lernen, zu "retrainieren".
Aufgaben des Hörgeräteakustikers
  • Ermittlung der akustischen Kenndaten
  • Beratung und Festlegung der Kriterien für die Anpassung
  • Abdrucknahme
  • Vergleichende Anpassung der Hörsysteme
  • Dokumentation
  • Teambesprechungen
  • Umfassende Nachsorge